Feste Präsentation

Das Taschenmuseum Hendrikje ist ein einzigartiges Museum, das die Geschichte der (Damen-) Tasche in der westlichen Kultur vom Ende des Mittelalters bis heute (inklusive der Werke von zeitgenössischen Designern) zeigt. Die Sammlung zeigt die europäische Kulturgeschichte der Tasche über 500 Jahre hinweg. Es gibt kein anderes Museum auf der Welt, das sich so spezialisiert und umfassend mit diesem Thema beschäftigt. Das Museum ist das einzige Taschenmuseum Europas und das größte der Welt. Es beherbergt eine Sammlung von mehr als 5000 Taschen, Beuteln, Koffern, Geldbeuteln und anderen dazu gehörigen Accessoires, wie beispielsweise Puderdosen, Schuhe und Hüte.

Betrachten Sie im Folgenden eine Auswahl der Sammlung des Taschenmuseums Hendrikje.

  • Taschen bis 1500
    Hängende Taschen und Beutel
    Heutzutage ist die Tasche das exklusive Gebiet der Frau. Zurückblickend in die Vergangenheit waren Taschen ab der frühsten Zeit nützliche Gebrauchsgegenstände für Frauen, aber stärker noch für Männer. Da Kleidung noch keine Innentaschen besaß, benutzte man Taschen und Beutel für den Transport von Geld und anderen persönlichen Gegenständen, wie z.B. Dokumente, Briefe, Almosen, die Bibel und Reliquien. Abhängig von ihrer Funktion, gab es Taschen und Beutel in einer Vielzahl von Formen: Bügeltaschen, Lederbörsen und beutelförmige Börsen an langen Bändern. Bis auf wenige Schultertaschen, wurden alle Modelle an einem Riemen oder Gürtel hängend getragen. Meistens bestanden sie aus unverziertem Leder oder Stoff. Die luxuriöseren Varianten wurden aus Silber oder bostbaren Stoffen mit reichen Stickereinen mit Seide, Gold- und Silberdraht gefertigt. Die älteste tasche des Taschenmuseums ist eine Männertasche aus Ziegenleder aus dem 16. Jahrhundert mit eleganten Knöpfen und Bügeln aus Metall. Hinter den meist geheimen Verschlüssen verstecken sich 18 Fächer. Frauen trugen ihre Taschen und Beutel nicht nur an Riemen, sondern auch an der Chatelaine: einem Hacken mit landen Ketten. Mit dem Aufkommen der Innentaschen in Männerkleidung gegen Ende des 16. und im 17. Jahrhundert, entwickelte sich die Tasche in den folgenden Jahrhunderten zur exklusiven Frauendomäne.
    Ziegenledertasche mit Eisenbügel, Frankreich, 16. Jahrhundert
    Taschen waren früher vor all nützliche Gebrauchsgegenstände für Frauen und Männer, da Kleidung noch keine Innentaschen hatten. Diese Bügeltasche wurde von einem Mann am Gürtel getragen. Diese Art von Bügeltaschen war ein Statussymbol für Männer der Elite.
    Tasche für ein Buch oder die Bibel, Leder, Flandern, 16.Jahrhundert
    Breits ab der frühsten Zeit trugen Männer Taschen und Beutel, da ihre Kleidung bis zum 17. Jahrhundert keine Innentaschen besaß. Die Taschen und Beutel wurden gebraucht, um Münzgeld , Dokumente, Briefe, Almosen, die Bibel und Reliquien zu transportieren.
    Gotischer Taschenbügel, Flandern, 1420
    Dieser besondere und seltene Taschenbügel hat einen Verschluss mit einer architektonischen Dekoration: eine gotische Kirche mit Bögen und Pilastern. Der Bügel wurde vor ungefähr 20 Jahren im Flussbett der Maas in Belgien, in der Nähe von Maastricht, ausgegraben. Solche Bügel wurde meist aus Bronze, Eisen oder Messing gefertigt und manche wurden vergoldet. Es gibt nur wenige dieser Art von Bügel, in seltenen Fällen noch mit einer Tasche daran, die im Besitz ausländischer Museen sind.
  • 1600-1700
    Besondere Taschen und Beutel
    Ebenso wie im 16. Jahrhundert war es zu Beginn des 17. Jahrhunderts für Frauen modern um Taschen und Beutel für den täglichen Gebrauch an der Chatelaine (einem Hacken mit Ketten) oder mit langen Bänder hängend an einem Riemen zu tragen. Zusätzlich wurden viele Taschen und Beutel für spezielle Tätigkeiten genutzt: als Almosenbörsen, Brautbeutel oder Spielbörsen. Die kostbaren Materialien, die Feinheit und die große Handwerkskunst mit denen sie gefertigt wurden, machten sie zu einem perfekten Geschenk in der Oberschicht. Nicht selten wurden sie als modernes Schmuckstück oder als Geschenk für einen König , für Personen am Hof, hohe Beamte oder einfach für einen Freund oder eine Freundin verwendet. In England und Frankreich wurden zu Neujahr Beutel mit Inhalt dem König geschenkt. Sie dienten als luxuriöse Verpackung für ein Geschenk, z.B. Geld, eine Miniatur, Schnuck oder wohl riechende Blütenblätter. Gefüllt mit duftenden Blütenblättern oder parfümiertem Puder wurden sie als Riechtäschchen (Eng.: sweetbag) zwischen der Kleidung getragen oder gehängt. Auch war es in dieser Zeit eine Tradition, um bei einer Hochzeit eine Börse mit Geld zu verschenken. In der französichen Stadt Limoges wurden zwischen 1690 und 1760 spezielle Brautbörsen hergestellt: kleine platte oder eiförmige Börsen aus Seide, mit an beiden Seiten Abbildungen aus Emaille der Braut und der Bräutigams oder manchmal von Heiligen. Börsen mit einer anderern Bestimmung waren Spielbörsen. Kartenspieler verwahrten ihr Geld oder Fiches in diesen Spielbörsen, die einen festen runden Boden hatten, sodass sie auf dem Tisch stehen konnten. Die Perlenbörsen aus der Sammlung des Taschenmuseums Hendrikje mit der Aufschrift "Remember the Pore 1630" erinnert an Almosenbörsen, aumônières, aus dem 13. bis 15. Jahrhundert.
    Samtbeutel mit silbernen Kugeln, Niederlande, erste Hälfte des 17. Jahrhunderts
    Diese Art von Beutel wurde in den Niederlanden von Frauen gebraucht. Die Beutel wurden an einem Gängelband, der Chatelaine, oder einem Gürtel getragen. Sie wurden zum Transportieren von Geld verwendet. In dieser Zeit besaß die Kleidung noch keine Innentaschen.
    Perlentäschchen mit der Aufschrift „Remember the Pore 1630“, England 1630
    Abgesehen von den Täschchen und Beuteln für den täglichen Gebrauch, gab es im 17.Jahrhundert eine Vielzahl von Täschchen und Beuteln für spezielle Gelegenheiten, wie z.B. Spielbeutel, Brautbeutel, Almosenbeutel und ein Täschchen für die Bibel. Von diesem Perlentäschchen sind verschiedene Varianten bekannt. Das Motiv ist stets das selbe, doch die Aufschriften unterscheiden sich, beispielsweise: „A gift to a friend“.
    Silberne Tasche mit Abbildung, Europa, Anfang des 17. Jahrhunderts
    Auf dieser Tasche ist die Göttin Victoria abgebildet. Viele Taschen und Börsen wurden für besondere Anlässe genutzt, z.B. das Transportieren von Dokumenten, Briefen, Reliquien, Almosen, Schießpulver oder als Feuerbuchse. Eine Tasche wie diese kennzeichnet sich durch da saftvolle Material, die Raffinesse und gutes Handwerk. Solche Taschen waren oftmals ein Geschenk der Reichen an einen König, Personen am Hof und hohe Beamte.
  • Sweet Bag, bestickt mit Seide, England, 1620-1630
    Sweet Bags ( zu Deutsch Riechertäschchen) waren kleine Täschchen, die in der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts als luxuriöse Verpackung für Geld oder gut riechende Blumen. In England und Frankreich wurden dies Sweet Bags zu Neujahr mit Geld gefüllt dem König geschenkt. Die Täschchen mit Blütenblättern oder parfümiertem Pulver wurden als Riechtäschchen zwischen die Kleidung gelegt oder gehängt.
    Samtbeutel, bestickt mit Silberdraht, Europa, 17. Jahrhundert
    Bis zum 18. Jahrhundert trugen Frauen Taschen und Beutel, die an einem Riemen oder Gürtel hingen. Die Taschen und Beutel waren oftmals aus nicht verziertem Leder oder Stoff gefertigt. Die luxuriöseren Stücke waren aus kostbaren Stoffen, z.B. aus Samt mit dekorativen Stickereien mit Seiden-, Gold- oder Silberdraht und manchmal exklusiv mit Perlen oder anderen Edelsteinen verziert.
    Schildförmige Börse, bestickt, Frankreich, 1700-1730
    Diese Börse gehört zu einer Serie von schildförmigen Börsen mit Metallbügeln, so wie diese in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts beliebt waren. Diese Schäferszenen oder Blumenmotive auf den Börsen sind wunderschön mit Seiden-, Silber- und/oder Golddraht gestickt.
    Ledergeldbeutel mit studs, Europa, 17. Jahrhundert
    Bis ins 17.Jahrhundert war es für Frauen und Männer in Mode, um eine Tasche oder Börse wie diese an einem Riemen hängend zu tragen. Für Diebe waren diese Taschen und Börsen attraktive Ware. Daher wurde ein Dieb in dieser Zeit auch „Börsenschneider“ genannt.
  • Spielbeutel aus Samt, bestickt, Frankreich, Ende des 17. Jahrhunderts
    Das Glückspiel war an vielen europäischen Höfen früher ein beliebter Zeitvertreib. Spieler verwahrten das Geld oder die Jetons in Spielbörsen, die eigens für das Spiel entworfen waren. Die Börsen hatten einen harten runden Boden, sodass die Börse flach auch dem Tisch stehen konnte. Manchmal zierte das Familienwappen den Boden, damit kein Streit über den Besitzer der Jetons aufkommen konnte.
    Börse, gehäkelt, verziert mit Spitze und Silberdraht, Frankreich, 17. Jahrhundert
    Diese Art von Börse war wegen den kostbaren Materialien, der Raffinesse und dem guten Handwerk ein ideales Geschenk für die Oberschicht. Nicht selten dienten sie als moderne Neuigkeit oder als Geschenk für einen König, Personen am Hof, hohe Beamte oder auch für einen Freund oder eine Freundin.
    1700-1800
    Sichtbar oder verborgen
    Ab dem 16. Jahrhundert trugen Frauen ihre Taschen und Beutel auch an einer Chatelaine: ein Haken mit Ketten, an die Accessoires gehängt werden konnten, wie z.B. Schlüssel, ein Beutel und Nähzeug. Die Chatelaine war das Symbol der Macht der mittelalterlichen Burgfräulein, auf Französisch chatelaine. Ein Name, der übrigens erst nach 1828 gebräuchlich wird. Vor dieser Zeitwurden sie in den Niederlanden "tuigjes" (Geschirr) genannt. Auf Grund der kostbaren Materialien, wie Silber, Gold, Emaille, Perlmutt und geschilffenem Stahl, war die Chatelaine gleichzeitig ein Schmuclstück und Statussymbol. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich die Form der Chatelaine und der Accessoires, die an ihr getragen wurden. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Chatelaine endgültig von der Handtasche verdrängt. Neben der Chatelaine hatten Frauen noch allerlei anderer Alternativen, beispielsweise die silberne Bügeltasche und die Hüftsäcke zur Verfügung, um ihren persönlichen Besitz zu transportieren. Die silberne Bügeltasche wurde mit einem haken am Rockband oder den Gürtel gehängt. Bügeltaschen gbt es in einer Vielzahl von Formen und Verzierungen. Im Stil der herrschenden Mode konnte eine neue Tasche aus Samt, Damast, Seide, Leder oder Perlen angesetzt werden. Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Handtasche definitiev einzug hielt wurden viele Bügeltaschen geändert. Der Haken wurde durch eine kurze Kette als Handgriff ersetzt. Während dem 17., 18. und einem Großteil der 19. Jahrhunderts war Damenkleidung so weit, dass ohne Probleme ein oder zwei lose Säcke unsichtbar darunter getragen werden konnten. meistens wurden diese Säcke als Paar getragen: einer auf jeder Hüfte. daher wurden sie Hüftsäcke genannt. Auch Hüftsäcke bleiben bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Gebrauch.
    Handarbeitstasche, bestickte Seide und verziert mit Spitze, Frankreich, viertes Quartal des 18. Jahrhunderts
    In der Zeit, in der von jeder kultivierten Frau erwartet wurde, dass sie ihre freie Zeit mit feiner Handarbeit verbrachte, war die Handarbeitstasche ein unentbehrliches Attribut. Im Laufe des 18.Jahrhunderts war das beliebteste Modell eine flache rechteckige Tasche, die oben mit einem Trageband geschlossen wurde. Diese Handarbeitstasche waren oftmals aus weißem Satin, bestickt und verziert mit Bändern, Folie und Silberflitter. Viele Damen werden diese Taschen mit selbst bestickt und verziert haben, aber man konnte sie auch im Geschäft kaufen.
  • Tasche mit Silberbügel und Haken, Van Wijk, Amsterdam, 1771
    Die Tasche mit Silberbügel ist eine typisch niederländische Tasche. Sie wurde schon seit dem vierten Quartal des 17. Jahrhunderts von der niederländischen Frau getragen. Anfangs waren die kostbaren Bügeltaschen ein stilvolles Accessoire für Regenten- und Kaufmannsfrauen. Im Laufe des 18.Jahrhunderts bis zum Beginn des 20.Jahrhunderts erfreute sich die Bügeltasche auch großer Beliebtheit in den Gebietender Niederlande, in denen die Ortstypische Kleidertracht getragen wurde. Die besonders schönen Silberbügel wurden oftmals von Mutter an Tochter weitergereicht. Passend zur vorherrschenden Mode konnte die Tochter eine neue Tasche aus Samt, Damast, Seide oder einem anderen Stoff oder Leder an den Silberbügel anfügen. Die gestrickte Perlentasche ist eine Variante hiervon, die zu Beginn des 19.Jahrhunderts entstand. In dieser Zeit entsteht nämlich das Perlenstricken.
    Gewandtaschen, im Flammenstich, England, 1766
    Vom 17. bis 19. Jahrhundert waren die Röcke der Damen so weit, dass darunter zwei lose Säcke, die so genannten Gewandtaschen, getragen werden konnten. Frauen trugen die Gewandtaschen mit einem Band um die Taille gebunden auf dem obersten Unterrock. Die Gewandtasche war über einen Schlitz im Kleid oder Rock zu erreichen.
    Brieftasche, bestickt mit Seide und verziert mit Elfenbeinmedaillon mit Bemalung, Frankreich, 1800-1810
    Ab dem 17. Jahrhundert wurden Brieftaschen für das Bewahren von geliebten (Liebes-) Briefen, Wertpapieren und Bankwechsel in Gebrauch. Die Brieftasche zeiget ein variantenreiches Bild: Materialien wie Leder, Seide, Glasperlen und Stroh, oftmals bestickt mit Seiden- oder Metalldraht, mit Pailletten und/ oder Folie. Brieftaschen konnten auch als Geschenk bei einer Verlobung oder Eheschließung, oder als Souvenir dienen. Viele der Abbildungen und Motive auf Portfolios beziehen sich auf Liebe und Treue, wie z.B. Cupidos, flammende Herzen, die Liebesgötting Venus und ein Anker.
    Brautbeutel mit Abbildung von Braut und Bräutigam, Limoges, Frankreich, 1690-1715
    Ist heutzutage meist ein „normaler“ Briefumschlag mit Geld als Geschenk ausreichend, waren in vorherigen Jahrhunderten Brautbeutel überschwänglich aus Perlen, Emaille oder bestickt oder gewebt aus kostbaren Materialien gefertigt. Eine spezielle Form wurde in der Zeit von 1690-1760 in der französischen Stadt Limoges, die bekannt ist für ihr Emaille und Porzellan, hergestellt. Es sind flache, eiförmige Börsen, die an beiden Seiten von Kupferplättchen geziert wurden, die in Emaille mit den Abbildern des Brautpaares oder von Heiligen bemalt waren. Dieses wundervolle Exemplar zeigt Prinzessin Maria Leszynka, die Braut von König Ludwig XV. von Frankreich in Emaille auf Kupfer.
  • Beutel aus “sablé” Glasperlen, Frankreich, 18. Jahrhundert
    Eine besondere Serie von Beuteln, Täschchen, Brieftaschen und ähnlichem aus dem 18.Jahrhundert wurde aus Perlen hergestellt, welche so groß sind wie Sandkörner. Hierbei muss man an einen Durchmesser von 0,5 bis 0,6 mm denken. Solche Perlenarbeit wir heutzutage sablé genannt, nach dem französischem Wort für „sandartig“. Die Perlen wurden auf einen Seidenfaden aufgefädelt, doch die Perlen waren so klein, das keine Nadel hindurch passte. Daher wurde ein Pferdehaar als Nadel verwendet.
    Chatelaine mit Nadeletui, Schere, Riechdöschen und Fingerhutdöschen, Silber mit Filigranarbeit, Willem Hendrik Rosier, Amsterdam, Niederlande, ca. 1740
    Die Chatelaine ist ein Haken mit einer Kette, an der neben einer Börse die Schlüssel, ein Riechball, ein Fingerhutdöschen, ein Nadeletui, ein Stecknadelkissen und eine Messerscheide gehängt werden konnten. Wegen dem Gebrauch von wertvollen Materialien wie Silber und Gold war die Chatelaine neben einem praktischen Accessoire auch ein statusgebendes Schmuckstück. Die Chatelaine wurde ab dem 16.Jahrhundert bis zum 19.Jahrhundert getragen. In den Niederlanden wurde sie früher als „tuigje“(Gängelband) bezeichnet. Der Name Chatelaine, abgeleitet vom französischen châtelaine, Burgfräulein, kam erst ab 1828 in Gebrauch.
    1800-1900
    Neue Zeiten, neue Taschen
    Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde auch durch die Entdeckung von Pomeij alles was mit der griechischen und römischen Antike zu tun hatte sehr populär. Mit diesem Aufkommen des Klassizismuses änderte sich auch die Mode: die monumentalen, weiten Kleider des 18. Jahrhunderts wurden durch schlichte Kleider aus dünnem Stoff mit erhöhter Taille ersetzt. Sie sollten schließlich den Gewändern der Antike ähneln. Für die Hüftsäcke, die man im 18. Jahrhundert unter den weiten Röcken trug, war unter dieser feinen Kleidung kein Platz mehr. Ihr Inhalt verlagerte sich daher in Reticules, die ersten Taschen, die mit einem Band oder einer Kette in der Hand getragen wurde. Der französische Begriff réticule kommt wahrscheinlich vom ateinischen reticulum, das auf die kleinen Damentaschen aus Netz im alten Rom verweist. Trotz der Rückkehr der weiten Röcke nach 1825 wurden die Reticules bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts benutzt. Im 19. jahrhundert, dem Zeitalter der Industriellen Revolution, wurden viele neue Produktionsweisen und Techniken entwickelt. Neue Materialien wie Papiermache, Eisen und geschliffener Stahl wurden bei der herstellung von Taschen verwendet. Die Kombination von materialien und Technicken resultierte in neuen Taschenformen. Durch das Aufkommen des Resiens per Zug und Dampfschiff entstanden neue Taschen für den "modernen" Reisenden. Das Handgepäck aus dem Zug wurde der Vorläufer der Handtasche (Englisch handbagage wurde handbag) , die man nicht nur mit auf Reisen nahm, sondern auch bei Besuchen oder dem Einkaufen benutzte.
    Perlentasche mit Szene von schlittschuhfahrenden Menschen an Silberbügel, Niederlande, erstes Quartal des 19.Jahrhunderts
    Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Stricken mit Perlen sehr beliebt. Eine geübte Strickerin benötigte für eine Perlentasche zwei Arbeitswochen. Mehr als 40 000 Perlen mussten nach einer Vorlage in der richtigen Reihenfolge aufgefädelt werden bevor die Tasche gestrickt werden konnte. Viele Perlentaschen wurden in der Tschechoslowakei und Deutschland kommerziell hergestellt.

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