Die Geschichte der Tasche

1500 – 1800: hängende Taschen und Börsenchatelaine-Roelof-Snoek-Tassenmuseum

Bereits ab frühster Zeit waren Taschen Gebrauchsgegenstände, sowohl für Frauen als auch für Männer. Kleidung hatte damals noch keine Innentaschen und deshalb waren Taschen und Beutel notwendig, um Geld und andere persönliche Gegenstände zu transportieren. Wie Taschen in der Vergangenheit aussahen, kann aus Abbildungen auf Gemälden, Gravuren und Teppichen und den Taschen, die im Museum ausgestellt sind, abgeleitet werde. Es sind nur wenige Taschen aus dieser Zeit erhalten, da sie meistens aus sehr vergänglichen Materialien gefertigt waren.

Es gab Taschen und Beutel in einer Vielzahl von Formen mit sehr unterschiedlichen Funktionen: Bügeltaschen, Lederbörsen und Beutel an langen Bändern. Bis auf einzelne Schultertaschen wurde alle Modelle an einem Gürtel oder Riemen getragen. Mit dem Aufkommen der Innentasche gegen Ende des 16. und im 17. Jahrhundert endete der Gebrauch von Taschen für Männer langsam aber sicher. In den folgenden Jahrhunderten gehörten Taschen fast ausschließlich zur Frauendomäne.

Ab dem 16. Jahrhundert trugen Frauen ihre Beutel oftmals an einer Chatelaine: einem Haken mit Ketten, an denen Accessoires gehängt werden konnten, wie zum Beispiel Schlüssel, ein Messeretui und Nähwerkzeug. Dank der kostbaren Materialien war die Chatelaine auch ein Schmuckstück und ein Statussymbol. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Form der Chatelaine und der Accessoires, die daran gehängt wurden, aber erst zu Begin des 20. Jahrhunderts wurde die Chatelaine endgültig durch die Handtasche verdrängt.

Während dem 17., 18. und einem Großteil des 19. Jahrhunderts war Damenkleidung so weit, dass unter dem Rock mit Leichtigkeit ein oder zwei lose Gewandtaschen unsichtbar getragen werden konnten. Meistens wurden diese Gewandtaschen als Paar getragen: einer auf jeder Hüfte. Auch die Gewandtaschen waren bis weit ins 19. Jahrhundert sehr populär.

1800 – 1900: neue Zeiten, neue Taschen

handtas-embossing-leer-TassenmuseumIm Laufe des 18. Jahrhunderts wurde Pompeji entdeckt und auch deshalb wurde alles, was mit der griechischen und römischen Antike zu tun hatte, populär. Mit dem Aufkommen des Klassizismus änderte sich auch das Erscheinungsbild: Kleider wurden schlichter und die Taille rutschte nach oben. Für die Hüftsäcke war unter dieser feinen Kleidung kein Platz mehr und daher zog ihr Inhalt in das Reticule um, die erste Tasche, die an einer kurzen Kordel oder Kette in der Hand getragen wurde. Diese Mode hielt sich bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Reticules wurden aus verschiedenen Stoffen gefertigt, meist durch die Frauen selbst.

Im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Industriellen Revolution, wurden viele neue Produktionsweisen und Techniken entwickelt. Neue Materialien, z.B. Papiermaché, Eisen und geschliffener Stahl, erblickten das Licht der Welt und wurden für die Herstellung von Taschen verwendet, was neue Taschenformen mit sich brachte. Es entstanden neue Taschen für den modernen Reisenden, der sich stets einfacher mit Schiff oder Zug fortbewegen konnte. Die Handgepäcktasche für den Zug war der Vorläufer der heutigen Handtasche: eine Tasche, die man nicht nur mit auf Reisen nahm, aber auch bei Besuchen und dem Einkaufen verwendete.

1900 – Gegenwart: die Handtascheminaudiere-Yves-Saint-Laurent-kunststof-Tassenmuseum

Die rasante Abfolge von Kunstströmungen und neuen Materialien im 20. Jahrhundert bewirkte eine schnelle Entwicklung der Tasche. Die Emanzipation der Frau hatte – soweit möglich – einen noch größeren Einfluss. Frauen nahmen immer mehr am Arbeitsprozess Teil, wurden stets mobiler und stellten höhere Ansprüche an die Strapazierfähigkeit der Tasche. Auf diese Weise entstanden Taschen mit einer Bandbreite an speziellen Funktionen: Dokumententaschen aus Leder für die Arbeit, handliche Wander- und Besuchertaschen aus Leder oder Kunststoff für tagsüber, elegante, glitzernde Abendtaschen und Minaudieres für den Abend und Operntaschen für das Theater.

Markennamen gewannen im 20. Jahrhundert an Bedeutung und so entstanden die großen Taschenmarken. Marken, die auf Grund ihrer exklusiven Handtaschen und Lederwaren weltberühmt wurden, sind Hermès, Louis Vuitton, Gucci und Prada. Auch für Modehäuser wie Chanel, Dior, Yves Saint Laurent, Versace, Donna Karen und Dolce & Gabbana ist die Tasche heutzutage ein wichtiges Modeaccessoire. Im Gegensatz zu vorherigen Jahrhunderten, in denen Modelle zum Teil für Jahrzehnte gleich blieben, ist die Tasche heute ein Modegegenstand geworden, der sich jede Saison verändert.

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